Zwischen Reiz und Reaktion – wo innere Freiheit entsteht
- Emel Schatz

- 3. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Momente, in denen ich spüre, wie schnell mein Körper reagiert, noch bevor mein Kopf überhaupt versteht, was passiert ist. Ein ungeduldiger Blick, ein verletzendes Wort, eine Nachricht, die mich trifft … und schon zieht sich etwas in mir zusammen. Früher blieb ich oft in diesem Gefühl hängen.
Heute weiß ich: dazwischen liegt ein Raum.
Der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl, der mehrere Konzentrationslager überlebte, beschrieb diesen Raum auf bewegende Weise:
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“
Dieser Raum ist winzig – manchmal nur ein Atemzug lang. Und doch liegt genau dort unsere Möglichkeit, bewusst zu leben, statt automatisch zu reagieren.
Wenn das Leben uns triggert
Wir alle kennen Situationen, in denen uns Emotionen überrollen. Wir sagen etwas, das wir später bereuen, oder ziehen uns zurück, um nicht verletzt zu werden.
Das ist zutiefst menschlich.
Unser Nervensystem reagiert blitzschnell auf Stress, Bedrohung oder Enttäuschung – eine alte, überlebenswichtige Programmierung. Doch wenn wir lernen, den Moment zwischen Reiz und Reaktion wahrzunehmen, beginnt Veränderung.
Nicht, weil wir „ruhiger“ werden sollen. Sondern, weil wir uns selbst in diesem Moment begegnen.
Der Körper als Zugang zur inneren Freiheit
Während Achtsamkeit uns lehrt, den inneren Raum bewusst wahrzunehmen, führt uns die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (PMR) direkt dorthin – über den Körper.
Wenn wir Muskel für Muskel anspannen und wieder loslassen, entsteht ein Moment des Übergangs. Ein stilles Innehalten.Ein Raum, in dem wir spüren, wie Spannung weicht – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.
Dieses Loslassen ist mehr als eine Technik. Es ist eine Einladung, im Jetzt anzukommen.Jede Entspannung ist wie ein leises „Ja“ zum Leben, so wie es gerade ist.
Viktor Frankls Botschaft heute
Frankl hat in seiner dunkelsten Zeit erkannt: Wahre Freiheit liegt in der Wahl unserer Haltung. Auch wenn wir äußere Umstände oft nicht beeinflussen können, können wir immer wählen, wie wir innerlich antworten.
Diese Erkenntnis ist nicht leicht, sie ist mutig. Denn in diesem Raum begegnen wir nicht nur Ruhe – manchmal auch Schmerz, Angst oder Wut. Aber genau darin liegt Heilung. Wenn wir fühlen dürfen, statt zu fliehen, entsteht tiefer Frieden.
Eine kleine Übung für dich
Vielleicht magst du in den nächsten Tagen diesen Raum bewusst wahrnehmen:
Wenn dich etwas triggert – halte kurz inne.
Atme ein und aus.
Spüre deinen Körper: Wo hältst du fest?
Entspanne diesen Bereich ganz bewusst.
Erst dann – antworte.
Nicht aus dem Reflex, sondern aus deiner Mitte.
Fazit
Der Raum zwischen Reiz und Reaktion ist kein fester Ort. Er ist eine tägliche Einladung, dir selbst zu begegnen – achtsam, liebevoll und mutig.
In der Achtsamkeit, in der Meditation oder in der Progressiven Muskelentspannung kannst du ihn immer wieder finden.
Dort, in diesem winzigen, stillen Moment, liegt sie – deine innere Freiheit.

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